Tausendsassa Brennessel

Kraut des Monats

Liebe Mitglieder des Obst- und Gartenbauvereins Fügen und Umgebung!

Hoffentlich habt ihr die letzten Wochen gut überstanden. Mehr denn je durften wir erleben, wie wertvoll ein eigener Garten ist. Egal, wie groß er ist, schafft er uns Raum für Bewegung, Entspannung, Nahrungsbeschaffung, Kreativität, Raum – zum „Ganz bei sich sein“. Freuen wir uns darüber, solche Oasen genießen zu können.

Heute darf ich euch einige Informationen und praktische Tipps über die Brennnessel zukommen lassen. Vieles wird euch schon bekannt sein, aber manchmal braucht man wieder einen kleinen „Erinnerungsstupser“, um bereits Bekanntes wieder einmal aufzunehmen. Vielleicht ist es ja gerade die Nutzung der Brennnessel in all ihren Facetten.

 

Tausendsassa Brennnessel – ein bescheidenes Multitalent

Zusammengestellt von Viktoria Müller

Die Brennnessel (Urtica dioica) wurde schon im Altertum vielfältig genutzt und gerade in der heutigen Zeit besinnt man sich ihrer wertvollen Inhaltsstoffe wieder.

Von der Brennnessel können alle Teile der Pflanze genutzt werden. Brennnesseln enthalten Flavonoide, Gerbstoffe, organische Säuren, Chlorophyll, Phytohormone, Kieselsäure, Eisen, Magnesium, Kalium,  Vitamin A, C und E. Ihr Mineralstoff – und Vitamingehalt übertrifft den Kopfsalat bei Weitem. Die Samen  enthalten z. B.: ca. 30% fettes Öl.

Volksheilkundlich, homöopathisch aber auch medizinisch schreibt man der Brennnessel vielfältige Wirkung zu.

  • Man nutzt die Brennnessel bei rheumatischen Beschwerden und Verdauungsleiden, Erkrankungen der Harnwege und bei Nierenleiden.
  • Die Brennnessel regt den Harnfluss an.
  •  Äußerlich hilft die Brennnessel gegen Kopfschuppen und fettigem Haar.
  • Die Wurzel nutzt man bei Prostataleiden/ gegen Haarausfall oder bei schuppiger Kopfhaut
  • Die blutreinigende und entgiftende Wirkung ist seit Urzeiten bekannt und findet sich in  unseren Frühjahrskuren wieder.
  • Nicht zu vergessen ist, dass man die Brennnessel bis zum Anbau von Baumwolle auch zur Herstellung von Stoffen und Seilen verwendete.  Die Liste ließe sich unendlich fortsetzen, allerdings möchte ich euch heute nur einige wenige Tipps zur Verwendung der Brennnessel geben.
  • 1. Verwendung in der Küche :

Wenn du Wildpflanzen in der Küche verwendest,  sollst du sie von einem Platz ernten, der nicht gedüngt und auch wenig befahren ist. Für viele Gartenbesitzer ist es schon selbstverständlich die Brennnesseln im eigenen Garten stehen zu lassen, um den Tausendsassa immer zur Hand zu haben.

a)  Als Tee: Zur Zubereitung eines Tees nehme ich 3 Teelöffel getrocknete Brennnesselblätter auf 150 ml Wasser.  Die Kräuter übergieße ich mit kochendem Wasser und lasse diese 10 Minuten ziehen. Man kann 3 - 4 Tassen tgl. trinken. Dazu sollte man täglich mindestens  insgesamt 2 l Wasser trinken. Der Tee sollte nicht länger als 3 Wochen durchgehend angewendet werden.

b) Brennnesselwurzeltee : Die Wurzel wirkt entgiftend, entzündungshemmend, harntreibend, zusammenziehend, blutstillend, kräftigend ….
Man nimmt 1 TL der gereinigten und zerkleinerten Wurzel auf ca.  200 ml Wasser und kocht das Ganze für 2 Minuten. Anschließend 10 Minuten ziehen lassen. Der Tee sollte nicht länger als 3 Wochen durchgehend angewendet werden.

c) als Spinat: Ich sammle die jungen Pflanzen oder die Brennnesselspitzen mit einer Schere und Handschuhen und lege sie in einen Korb oder in eine Holzschüssel. Da die Blätter beim Kochen sehr zusammenfallen braucht man eine schöne Menge.
Die Blätter werden ca. 2- 3 Minuten blanchiert und anschließend kurz mit kaltem Wasser abgeschreckt und beiseite gestellt.Nun bereitet man eine Einmach mit Butter und Mehl, gießt mit Milch auf, fügt Knoblauch, Salz, Pfeffer und Muskatnuss und die blanchierten Brennnesselblätter hinzu.
Brennnesselspinat schmeckt gut als Zuspeise zu Kartoffeln und Leberkäse oder mit Nudeln und Schafkäse.  Er eignet sich mit einem würzigen Reibkäse auch hervorragend zum Füllen von Blätterteigtaschen oder zur Zubereitung als Quiche.

d) Brennnesselknöderl/ bzw. Brennnessellaibchen

Zutaten:

5 Semmeln

2 Eier

1 kleine gehackte Zwiebel,

 etwas Lauch

 1 Karotte

1 EL Butter

wenig heißes Wasser

4 Handvoll Brennnesselblätter blanchiert

Muskatnuss, Salz und Pfeffer

2 Zehen Knoblauch

etwas Mehl

Zubereitung: Das geschnittene Brot mit heißem Wasser gut benetzen, vermischen und ziehen lassen!

  • Die Eier mit den Gewürzen und dem Knoblauch versprudeln und über die Brotmasse gießen und wieder kurz  vermischen.
  • Zwiebel  und Lauch in Butter hell anrösten und mit den  blanchierten, pürierten  Brennnesselblättern, sowie der geraspelten  Karotte  zur Knödelmasse mischen.
  • kurz rasten lassen und anschließend Knöderl  formen, die man ca. 20 Minuten entweder

über Dampf oder ganz  leicht wallend in einer Gemüsesuppe  gart.

Mit brauner Zwiebel und brauner Butter garniert – zu Wasser( mit Suppe), oder zu Land (ohne Suppe)  und einem grünen Salat dazu,  hat man ein schmackhaftes Essen.

Sie schmecken auch gut auf einem Gorgonzolaspiegel mit frischem Salat und ergeben so eine feine Hauptspeise. 

Für die  Gorgonzolasoße:

100 g Österzola

250 ml Süßrahm

fein gehacktes Basilikum oder Brennnesseln
Käse langsam schmelzen lassen,  den Rahm und eventuell einen Schuss Milch hinzufügen, kurz einköcheln lassen und mit dem Mixstab aufschäumen. Anschließend die klein geschnittenen Brennnesseln oder Basilikum hinzufügen. Knödel auf dem Soßenspiegel fein anrichten und mit Gänseblümchen garnieren.
Brennnessellaibchen: Aus derselben Masse kann man auch Laibchen formen, die man in einem guten Pflanzenöl oder Butterschmalz abbrät. Die Laibchen schmecken mit einem bunten Salat.

e) Brennnesselsuppe- der Klassiker:

Zutaten:
250 g frische Brennnesselblätter

1 Bund Petersilie

1 Handvoll Kerbel

1 Zwiebel

1 Zehe Knoblauch

1 EL Butter

¾ l Gemüsebrühe

¼ l Süßrahm, Salz und Pfeffer

Zubereitung:

  • Kräuter waschen, trockenschütteln
  • Die Blättchen von Brennnessel, Petersilie und Kerbel von den Stielen zupfen
  • Zwiebel und Knoblauch schälen und fein hacken
  • Butter in einem Topf erhitzen, Zwiebel und Knoblauch darin anschwitzen und mit Gemüsebrühe und Rahm aufgießen.
  • Suppe bei schwacher Hitze 5 Minuten köcheln lassen. Kräuter untermischen und die Suppe pürieren.
  • Gut mit Salz und Pfeffer abschmecken und auf den Tellern verteilen.
  • Serviert wird bei mir die Brennnesselsuppe entweder mit einem Sahnetupfer mit Brennnesselsamen und frischen Kerbelblättchen oder, wenn es etwas üppiger sein sollte
  • mit  Wildlachsstreifen und Knoblauchbrotf)

    f) Als Smoothie -  Ein Vitamin- und Vitalitätsspender

Süß

Säuerlich

Frische Brennnesselblätter

1 Banane

Saft einer halben Zitrone

Wasser oder Apfelsaft

Alles gut mixen und genießen!

Frische Brennnesselblätter

3-4 Radieschen mit  einigen Blättern

Buttermilch und 3 EL Joghurt

 

Alles gut mixen und genießen!

 

g) Verwendung der Brennnesselsamen:

Brennnesselsamen sind sozusagen eine heimische Superfood, die eiweißreich und vitaminreich ist.

Du kannst sie ab August sammeln. Verwende sie,  wann immer du daran denkst.

Auf dem Müsli, am Butterbrot, auf dem Frühstücksei, übers Rührei auf Knödeln oder über den Salat gestreut…
 

2. Als Pflanzenstärker / Jauche oder Blattlausvertreiberin/ Brühe:

Brennnesseljauche

Brennnesselbrühe

Ca. 1 kg Triebe zerkleinern und in einen großen Kübel geben. Mit 10 l Wasser ( Regenwasser) vermischen, sodass alle Pflanzenteile bedeckt sind.

Idealerweise deckt man den Kübel zu und lässt ihn an einem sonnigen, warmen Platz stehen. Täglich umrühren!

Diese Flüssigkeit fängt zu gären und fairerweise muss man sagen, auch etwas zu stinken an. Wenn etwas Schaum entsteht ist die Brennnesseljauche fertig. Das dauert je nach Temperatur ca. 10 Tage. Man seiht das Pflanzenmaterial ab und gibt es in den Kompost.  Die Flüssigkeit verdünnt man 1:10 für Starkzehrer wie Paprika, Gurken, Kürbis, Tomaten … und 1:20 für die übrigen Pflanzen.

Alle 2 Wochen düngen.

Für die Brühe nimmt man dieselbe Menge und lässt sie lediglich 24 Stunden stehen.

 

Mit dieser Flüssigkeit kann man sowohl düngen als auch Blattläuse täglich besprühen.

 

 

3. Die Brennnessel  - Erhalterin der Artenvielfalt:

Hast du gewusst, dass ca. 50  verschiedene Schmetterlingsarten, darunter der Admiral, Kleiner Fuchs, Tagpfauenauge, das Landkärtchen und viele andere Insekten,  die Brennnessel zu ihrer Arterhaltung benötigen? Die Brennnessel ist die Wirtspflanze der schönen Falter.  Also lass ruhig einige Brennnesseln in deinem Garten stehen, dann kannst du bei deiner Rast auf der Gartenbank bald die unterschiedlichsten Schmetterlinge beobachten.


Einen guten Start in den Juni und viel Spaß beim Garteln wünscht euch allen,

Viktoria Müller

FNL Kräuterfachfrau

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